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Es gibt Epochen, die nicht vergehen, sondern zerbrechen. Das vierzehnte Jahrhundert gehort zu jenen Zeiten, in denen das Mittelalter nicht langsam verblasste, sondern unter dem Gewicht seiner eigenen Widerspruche nachgab - zu schnell, zu vollstandig, um noch als Ubergang begriffen werden zu konnen. Zwischen Sterben und Schweigen ist keine Katastrophengeschichte. Es ist eine Untersuchung dessen, wie eine Zivilisation auf die Gleichzeitigkeit von biologischem Zusammenbruch, militarischem Wandel und institutioneller Auflosung reagiert - und was von ihr ubrig bleibt, wenn alle drei Prozesse ineinandergreifen. Der Schwarze Tod traf Europa nicht als Naturereignis, das von auen einbrach. Er traf eine Gesellschaft, die bereits geschwacht war: von klimatischen Missernten, von Uberverschuldung der Adelshauser, von einer Agrarordnung, die auf struktureller Stille der Armen beruhte. Als die Pest zwischen 1347 und 1353 ein Drittel bis zur Halfte der europaischen Bevolkerung totete, zerstorte sie nicht nur Menschen. Sie zerstorte das demographische Fundament, auf dem die feudale Logik ruhte. Jene, die uberlebten, taten dies in einer Welt, in der Arbeitskraft plotzlich knapp und damit verhandelbar war - eine Verschiebung, die kein Gesetz anordnete und keine Revolution erzwang, die aber tiefer wirkte als beides.
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