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Es gab ein Gesetz, das die Welt veranderte - und die meisten, die unter ihm lebten, schutzte es nie. Der Homestead Act von 1862 formulierte ein demokratisches Versprechen: 160 Acres Land fur jeden, der bereit war, es zu bestellen. Doch hinter dieser Formulierung verbarg sich eine Architektur der Ausgrenzung, die den Kontinent nach Kategorien der Zugehorigkeit aufteilte, lange bevor der erste Pflug die Erde beruhrte. Das Gesetz entschied nicht nur, wer siedeln durfte - es entschied, wer als Person zahlte. Der amerikanische Westen des 19. Jahrhunderts war kein leerer Raum, der auf Ordnung wartete. Er war ein Feld konkurrierender Anspruche: Indigene Nationen verteidigten Landrechte, die Generationen vor dem ersten Bundesgesetz bestanden hatten. Schwarze Farmers kampften um Anerkennung innerhalb eines Systems, das ihre Staatsburgerschaft formal garantierte und praktisch unterhohlte. Einwanderer aus China, Irland und Mitteleuropa brachten Arbeitskraft und Erinnerung mit und stie en auf Strukturen, die ihre Zugehorigkeit systematisch in Frage stellten. Jeder dieser Akteure hinterlie ein Zeugnis. Dieses Buch liest sie gemeinsam. Was Megan Kate Nelsons Forschung sichtbar macht, geht uber kulturelle Mythenkritik hinaus: Es ist die Frage, wie eine Gesellschaft ihre eigene Grundungserzahlung rechtlich kodiert und dabei bestimmte Leben aus dem Gedachtnis tilgt. Die Frontier war kein geografischer Ort. Sie war eine juristische Konstruktion und die Menschen, die sie bewohnten, waren ihre unbeabsichtigte Widerlegung. Der amerikanische Westen, neu gelesen, ist kein Ort heroischer Freiheit. Er ist ein Spiegel, in dem Europa und Amerika einander bis heute nicht vollstandig erkannt haben.
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