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Der 29. Mai 1453 war kein Datum, das Europa sofort verstand. Die Nachricht vom Fall Konstantinopels erreichte den Westen in Fragmenten - ein Gerucht in Venedig, eine Trauernotiz in Rom, ein Schweigen in den Kanzleien jener Machte, die jahrzehntelang zugesehen hatten, wie das Byzantinische Reich auf einen Stadtumriss zusammenschrumpfte, ohne ernsthafte Hilfe zu schicken. Was endete, war nicht nur ein Reich. Es war das letzte institutionelle Gedachtnis der antiken Mittelmeerwelt, das seinen eigenen Untergang mit wacher Augen miterlebte und keine Verstarkung erhalten hatte. Die militarische Dimension der Belagerung wird oft auf die groe Bronzekanone reduziert - auf Urban, den ungarischen Gieer, den Mehmed II. besser bezahlte als Konstantinopel es je gekonnt hatte. Das Gerat war real und seine Wirkung verheerend: Die theodosianischen Mauern, die acht Jahrhunderte lang als unuberwindbar galten, wurden durch ballistische Physik zu Schutthaufen. Doch die Kanone war Symptom, kein Ursache. Was Mehmed besa, war kein technologischer Vorteil allein - es war die Fahigkeit, technische Innovation in strategische Entschlossenheit zu ubersetzen. Er wusste, dass Konstantinopel nicht durch Erschopfung fiel. Es musste durch Uberraschung fallen, durch die Zerstorung des Vertrauens in die eigene Geographie. Die Uberfuhrung seiner Flotte uber den Galatahugel in einer einzigen Nacht war eben diese Zerstorung.
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